Bayer hat im Auftaktquartal anders als vom Markt erwartet deutlich mehr verdient. So fielen die Zahlen im ersten Quartal aus.
Gute Geschäfte rund um Soja- und Mais-Saatgut sowie das laufende Sparprogramm haben Bayer zu einem überraschend starken Jahresstart verholfen. Zudem sank der operative Gewinn im Pharmageschäft weniger als von Analysten erwartet. Hier verkaufen sich noch recht neue Medikamente weiterhin sehr gut, Umsatzeinbrüche nach Patentabläufen wie beim Blutgerinnungshemmer Xarelto werden so aufgefangen.
Trotz des Kursrückschlags vom Jahreshoch kosten die Papiere immer noch rund 40 Prozent mehr als vor Beginn der Rally im November. Diese hatten starke Studiendaten zum Gerinnungshemmer Asundexian ausgelöst. Hinzu kamen dann Fortschritte in den US-Rechtsstreitigkeiten rund um den Unkrautvernichter Glyphosat sowie die seit Jahrzehnten verbotene Umweltchemikalie PCB.
Im abgelaufenen ersten Quartal steigerte Bayer das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) im Jahresvergleich um 9 Prozent auf 4,45 Milliarden Euro – Analysten hatten deutlich weniger auf dem Zettel. Der Gewinn unter dem Strich war mit 2,76 Milliarden Euro mehr als doppelt so hoch wie vor einem Jahr.
Angesichts dieser starken Entwicklung des operativen Gewinns dürften die Markterwartungen an Bayer nun etwas steigen, erklärte Branchenexperte Richard Vosser von JPMorgan in einer ersten Reaktion. Dabei habe der Konzern aus Leverkusen in der Agrarsparte Crop Science zwar auch von der Einigung auf eine Lizenzvereinbarung in einem Rechtsstreit mit der Konkurrentin Corteva profitiert, doch sei das bereits bekannt gewesen.
Im Pharmageschäft sank das operative Ergebnis zwar, allerdings steckt Bayer hier aktuell mehr Geld in den Vertrieb der noch jungen Medikamente Lynkuet – gegen Wechseljahresbeschwerden – Nubeqa sowie Kerendia.
Die Erlöse mit den Wachstumsmotoren Nubeqa gegen Prostatakrebs sowie mit Kerendia legten indes weiter stark zu. Kerendia wird zur Behandlung der chronischen Nierenerkrankung (CKD) in Verbindung mit Typ-2-Diabetes (T2D) sowie gegen Herzinsuffizienz eingesetzt. Nubeqa war im Quartal sogar das umsatzstärkste Medikament. Der Umsatz mit dem Gerinnungshemmer Xarelto brach indes wenig überraschend ein, und die Erlöse mit dem Augenmedikament Eylea sanken wegen der Konkurrenz durch Generika ebenfalls deutlich.
Alles in allem fiel der Konzernumsatz zum Jahresstart zwar etwas auf 13,4 Milliarden Euro, das lag aber an negativen Effekten aus Währungsumrechnungen. Diese ausgeklammert ergibt sich ein Erlösplus von gut 4 Prozent.
Den Jahresausblick für die um Wechselkurseffekte bereinigte Entwicklung von Umsatz- und operativem Gewinn bestätigte der im DAX notierte Konzern. Hier stehen weiterhin ein Umsatz von 45 bis 47 Milliarden Euro sowie ein operatives Ergebnis (bereinigtes Ebitda) von 9,6 bis 10,1 Milliarden Euro im Plan.
Auf die nominale Entwicklung blickt Bayer nun aber zuversichtlicher als bisher. Demnach soll der Umsatz 44,5 bis 46,5 Milliarden Euro erreichen und der operative Gewinn 9,4 bis 9,9 Milliarden Euro. Das sind beim Erlös jeweils 500 Millionen Euro und beim Gewinn jeweils 300 Millionen Euro mehr als bislang erwartet. „Das ist nur eine Momentaufnahme“, sagte Finanzvorstand Wolfgang Nickl laut Mitteilung. „Wir erwarten für den Rest des Jahres weitere Volatilität in der Entwicklung der Wechselkurse.“
Zum Glyphosat-Rechtsstreit gab es keine wesentlichen Neuigkeiten. Aktuell versucht Bayer, mit einem im Februar angekündigten, milliardenschweren Sammelvergleich das Thema weitgehend vom Tisch zu bekommen. Die Kläger müssen bis Anfang Juni entscheiden; die Anhörung zur finalen Genehmigung findet im Juli statt. Zudem setzte Bayer weiterhin auf eine Grundsatzentscheidung des obersten US-Gerichts, die Glyphosat-Klagen die Grundlage entziehen könnte. Vor dem US Supreme Court fand Ende April eine Anhörung statt. Eine Entscheidung der Richter könnte es bis Ende Juni geben – Ausgang offen.
Allerdings führten – bereits avisierte höhere Auszahlungen zur Beilegung von PCB- und Glyphosat-Verfahren – im ersten Quartal zu einem Abfluss freier Finanzmittel von 2,3 Milliarden Euro. Für 2026 stellt Bayer weiterhin einen Free Cashflow von minus 2,5 bis minus 1,5 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Darin sind Auszahlungen für Rechtsstreitigkeiten von rund 5 Milliarden Euro berücksichtigt.
Pharma- und CropScience-Geschäfte treiben Erholung von Bayer an
Die Aussicht auf steigende Marktschätzungen nach starken Quartalszahlen hat die Bayer-Aktie am Dienstag mit kräftigen Kursgewinnen an die DAX-Spitze getrieben.
Letztlich stieg sie via XETRA um 3,67 Prozent auf 38,44 Euro und lieferte damit zugleich charttechnisch bessere Signale.
Sowohl im Pharmageschäft als auch in der Agrarsparte CropScience verdiente Bayer im ersten Quartal deutlich mehr als Analysten erwartet hatten. Das „Ergebnis von CropScience war stark“, schrieb etwa Peter Spengler von der DZ-Bank und verwies – wie auch Barclays-Analyst Charles Pitman-King – auf das gute Geschäft mit Soja und Maissaatgut sowie auch auf Kostensenkungen. Spengler sowie Analyst Richard Vosser von der US-Bank JPMorgan rechnen nun – nicht zuletzt auch wegen des nachlassenden Gegenwinds auf der Währungsseite – mit leicht steigenden Markterwartungen.
Der „nächste Trigger“ für die Aktie wird laut dem DZ-Bank-Experten wohl die Entscheidung des US Supreme Court zu Glyphosat sein. So setzt Bayer auf eine Grundsatzentscheidung des obersten US-Gerichts, die vielen Glyphosat-Klagen die Grundlage entziehen könnte. Vor dem US Supreme Court fand Ende April eine Anhörung statt. Eine Entscheidung der Richter könnte es bis Ende Juni geben.
Zudem hob er hervor, dass das Jahr 2026 für Konzernchef Bill Anderson ein entscheidendes sei, „da es seine erste Strategie-Runde abschließt“. Ziele seien der Abbau der Verschuldung und des Glyphosat-Risikos sowie der Neuaufbau der Pharma-Pipeline. „Mit dem Vergleich zur Beilegung zukünftiger Klagen könnte zwar das Glyphosat-Risiko gesenkt werden, aber es erhöht kurzfristig die Verschuldung.“
So versucht Bayer aktuell neben den Bemühungen vor dem US Supreme Court, mit einem im Februar angekündigten, milliardenschweren Sammelvergleich das Thema Glyphosat-Rechtsstreitigkeiten weitgehend vom Tisch zu bekommen. Die Kläger müssen bis Anfang Juni entscheiden.
Was die Aktie betrifft, wartet der nächste Widerstand jetzt bei knapp unter 41 Euro in Form der 90-Tage-Durchschnittslinie, die ebenfalls ein mittelfristiger Trendindikator ist. Etwas darüber liegt dann das obere Ende der Konsolidierungsspanne der vergangenen Wochen, die von etwa 36 bis 42 Euro verläuft.
Seit Beginn des laufenden Jahres liegt das seit der Monsanto-Übernahme 2018 und den damit verbundenen Glyphosat-Rechtsstreitigkeiten schwer unter Druck geratene Papier zwar wieder 6,5 Prozent im Plus. Bis zum Jahreshoch Mitte Februar bei knapp unter 50 Euro ist es aber noch ein ganzes Stück hin.
Die im November 2025 gestartete Kursrally war von starken Studiendaten zum Gerinnungshemmer Asundexian ausgelöst worden. Hinzu kamen Fortschritte im US-Rechtsstreit um den Unkrautvernichter Glyphosat sowie um die seit Jahrzehnten verbotene Umweltchemikalie PCB.
Mitte Februar allerdings machte sich wieder Ernüchterung breit, denn ungeachtet des von Bayer angekündigten umfassenden Sammelvergleichs blieben zahlreiche Unsicherheiten bestehen; samt des noch ausstehenden Urteils des obersten US-Gerichts. Obendrein hatten die Anfang März vorgelegten Jahreszahlen und der Ausblick 2026 damals nicht begeistern können.
Bayer-CEO: Glyphosat-Risiko auch ohne positives Supreme-Court-Urteil eindämmbar
Von Olaf Ridder
DOW JONES–milliardenschweren Glyphosat-Schadensersatzklagen setzt Bayer-Konzernchef Bill Anderson trotz divergierender Äußerungen der Richter auf ein für Bayer positives Urteil. „Wir hatten den Eindruck, dass unsere Argumente überzeugend dargelegt wurden“, sagte er in der Pressekonferenz zu den aktuellen Quartalszahlen. Jetzt müsse der Supreme Court ein Urteil sprechen. Das wird bis Ende Juli erwartet.
Bei der Anhörung Ende April hatten sich die Richter unterschiedlich zur Frage der Preemption geäußert, also der Frage nach dem Vorrang von Bundesrecht vor dem Recht einzelner Bundesstaaten. Aus Sicht von Bayer kann es nicht sein, dass die US-Umweltschutzbehörde EPA für den Unkrautvernichter Roundup eine Krebswarnung ablehnt, zugleich aber entsprechende Klagen über ein fehlendes Etikett auf der Ebene der Bundesstaaten vor Gerichten zum Erfolg führen.
„Das ist etwas, das durch die Rechtsstreitigkeiten und den anhaltenden Angriff der US-Klageindustrie auf die Wissenschaft verursacht wurde, und wir hoffen wirklich, dass der Supreme Court hier die richtige Antwort finden wird“, sagte Anderson.
Sollte Bayer vor dem Gericht ein positives Urteil bekommen, so könnten viele der anhängigen Klagen wegen der angeblich krebserregenden Wirkung von Glyphosat hinfällig werden. Anderson hatte den Investoren versprochen, die Rechtsrisiken 2026 deutlich eindämmen zu können. Auch bei einem negativen Urteil sei das aber möglich, versicherte er. „Wir glauben, dass wir auch in diesem Jahr noch die Möglichkeit haben, die Rechtsstreitigkeiten erheblich einzudämmen – mit oder ohne das Urteil des Supreme Court“, so Anderson.
Noch vor der Urteilsverkündung des Supreme Court müssen sich die Kläger entscheiden, ob sie dem im Frühjahr vorläufig genehmigten Sammelvergleich mit den Großkanzleien über bis zu 7,25 Milliarden Dollar akzeptieren. Die Frist für einen möglichen Austritt (Opt-out) einzelner Kläger aus dieser Vereinbarung läuft bis zum 4. Juni. Bayer kann bei einer zu hohen Ablehnungsquote den Sammelvergleich platzen lassen. „Wir haben bereits gesagt, dass die Anzahl der offenen Fälle im Grunde genommen null sein sollte“, sagte Anderson. Sonst sei ein solcher Vergleich nicht sinnvoll.
Anderson dämpfte Erwartungen, dass Bayer schnell, also noch im Juni, ein Ergebnis zu den Opt-out-Zahlen veröffentlichen wird. „Das kann noch einige Wochen dauern, um alles zu klären“, sagte der Manager. Im Juli sei dann die gerichtliche Anhörung für die finale Genehmigung des Sammelvergleichs geplant.
LEVERKUSEN (dpa-AFX) / Dow Jones Newswires
Ref: https://www.finanzen.net/nachricht/aktien/bilanz-vorgelegt-bayer-aktie-legt-deutlich-zu-starkes-erstes-quartal-mit-kraeftigem-gewinnplus-15678006












