The RKI launched „Gesundheit in Deutschland“ in May 2024, a continuous longitudinal health study. It continuously monitors German population health, surveying 47,000 participants repeatedly. Tracking developments in health status, behavior, and healthcare use, it supports research, reporting, and policy decisions.
The panel also enables rapid ad-hoc studies, addressing outbreaks (e.g., polio, EHEC) or vaccination behavior. Planned refreshment ensures representativeness, with future expansion to include digital health data and other sources. This flexible tool offers timely public health insights, crucial for understanding trends and preparing for crises.
Mit dem Panel „Gesundheit in Deutschland“ hat das RKI innerhalb kurzer Zeit eine große bevölkerungsbezogene Gesundheitsstudie aufgebaut. Seit dem Start des Regelbetriebs im Mai 2024 liefert das Panel kontinuierlich Daten zur gesundheitlichen Lage der Bevölkerung und unterstützt Forschung, Gesundheitsberichterstattung und gesundheitspolitische Entscheidungen.
Anders als klassische Einzelstudien basiert das Panel auf wiederholten Befragungen derselben Menschen über einen längeren Zeitraum. So lassen sich gesundheitliche Entwicklungen in Deutschland schneller erfassen, etwa Veränderungen im Gesundheitszustand, im Gesundheitsverhalten oder bei der Inanspruchnahme medizinischer Leistungen.
Im Zuge der Rekrutierung wurden bundesweit rund 167.000 Bürgerinnen und Bürger ab 16 Jahren zufällig aus den Einwohnermelderegister ausgewählt und schriftlich zur Teilnahme eingeladen. Etwa 47.000 Menschen aus ganz Deutschland registrierten sich im Frühjahr 2024 für die regelmäßigen Befragungen.
Regelmäßige Daten für das Gesundheitsmonitoring
Mit Abschluss der Rekrutierung ging das RKI-Panel in den Regelbetrieb über. Für die Jahreserhebungen werden die Teilnehmenden zufällig in vier Kohorten eingeteilt, die über das Jahr verteilt vier unterschiedliche Fragebögen erhalten. Durch die rotierende Befragung können saisonale Effekte, etwa bei körperlicher Aktivität, Schlaf oder psychischer Gesundheit, ausgeglichen werden.
Erhoben werden zentrale Indikatoren des Gesundheitsmonitorings, darunter körperliche und psychische Gesundheit, chronische Erkrankungen, Gesundheitsverhalten, soziale Determinanten der Gesundheit sowie Fragen zur Gesundheitsversorgung und Prävention. Die erste Jahreserhebung 2024 zeigte eine hohe Beteiligung; die Teilnahmequoten lagen zwischen 75 und 81 Prozent. In den einzelnen Wellen konnten jeweils mehr als 35.000 Interviews realisiert werden.
Erste Ergebnisse wurden im Dezember 2025 beim Symposium „Neue Zahlen, neues Konzept – Gesundheitsmonitoring am RKI“ der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Veranstaltung stieß auf großes Interesse und bot Raum für fachlichen Austausch. Seitdem sind weitere Auswertungen erschienen, unter anderem auf dem Informationsportal der GBE, im Journal of Health Monitoring und in anderen Fachzeitschriften.
Ad-hoc-Studien: Schnell befragen, schneller einordnen
Neben der regulären Jahreserhebung bietet das Panel die Möglichkeit, kurzfristig Zusatzbefragungen durchzuführen. Dadurch können weitere Public-Health-Themen adressiert werden. In den ersten beiden Jahren wurden eine Reihe von Ad-hoc-Studien umgesetzt:
Mit der POLA-Studie reagierte das RKI auf Nachweise von Polioviren in deutschen Abwasserproben. Untersucht wurde unter anderem, wie Eltern die aktuelle Risikosituation wahrnehmen und ob öffentliche Impfaufrufe Einfluss auf das Impfverhalten haben.
Die Studie IMPRESS untersucht regelmäßig Impfverhalten und Impfakzeptanz in Deutschland. Im Fokus stehen insbesondere Influenza- und COVID-19-Impfungen sowie Faktoren, die Impfentscheidungen beeinflussen.
Auch im Rahmen eines EHEC-HUS-Ausbruchs 2025 und eines Salmonellen-Ausbruchs 2026 wurden Teilnehmende des Panels befragt. Ziel war es, die Angaben von gesunden Menschen mit denen erkrankter Menschen zu vergleichen. Der Vergleich hilft dabei, mögliche Infektionsquellen einzugrenzen.
Weitere Zusatzstudien beschäftigten sich unter anderem mit Erfahrungen im Gesundheitssystem (International Health Policy Survey) und der Evaluation des Transfusionsgesetzes.
Mit PINOKIJO startete zudem eine Pilotstudie für ein zukünftiges bundesweites Monitoring der Kinder- und Jugendgesundheit. Ziel ist es, langfristig verlässliche und moderne Befragungsstrukturen für jüngere Altersgruppen aufzubauen. Eine weitere Pilotstudie untersuchte, wie sich Daten aus Fitness-Armbändern, sogenannten Wearables, für die Erhebung von Informationen zu Schlaf und körperlicher Aktivität nutzen lassen.
Infrastruktur für kontinuierliche Befragungen
Um Daten über das RKI-Panel zu erheben, entstand in den vergangenen Jahren eine umfangreiche technische und organisatorische Infrastruktur. Dazu gehören unter anderem eine Panel-Management-Software, das integrierte Befragungstool OpenSurvey, ein zentrales Teilnehmendenportal sowie eine Datenkurationsplattform. Parallel dazu wurden die notwendigen Prozesse aufgebaut, von Datenschutz- und Ethikverfahren über Ausschreibungen bis hin zur Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern und Supportstrukturen.
Das Panel wird aufgefrischt
Ab August 2026 soll die Stichprobe des Panels planmäßig aufgefrischt werden. Das ist bei langfristigen Studien üblich, weil die Zahl der Teilnehmenden mit der Zeit sinkt. Gründe dafür können sein, dass Menschen nicht mehr erreichbar sind, ihre Teilnahme beenden oder aus anderen Gründen ausfallen. Damit das Panel langfristig aussagekräftig und möglichst repräsentativ bleibt, sollen regelmäßig neue Teilnehmende hinzukommen. Dafür ist vorgesehen, rund 50.000 Menschen einzuladen. Ziel ist es, etwa 10.000 neue Teilnehmende für das Panel zu registrieren.
Ausblick: breiter nutzbar, flexibler einsetzbar
Das RKI-Panel soll in den kommenden Jahren schrittweise erweitert werden. Vorgesehen sind unter anderem die Einbindung zusätzlicher Untersuchungsmodule, die Nutzung digitaler Gesundheitsdaten sowie die Verknüpfung mit weiteren Datenquellen, etwa Abrechnungsdaten von Krankenkassen.
Dadurch ergeben sich neue Möglichkeiten für Forschung und Gesundheitsmonitoring. Gesundheitliche Entwicklungen können differenzierter beobachtet und Zusammenhänge zwischen verschiedenen Einflussfaktoren besser untersucht werden. Gleichzeitig entstehen neue Grundlagen für evidenzbasierte Entscheidungen in Prävention, Forschung und Gesundheitspolitik. Zudem können auch weitere Zielgruppen und Institutionen eingebunden werden, wie Ärztinnen und Ärzte, aber auch Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen oder Altenheime.
Mit „Gesundheit in Deutschland“ steht dem RKI erstmals ein kontinuierlich nutzbares und flexibel einsetzbares Instrument zur Verfügung, um Public-Health-Fragen zeitnah zu untersuchen und gesundheitliche Entwicklungen frühzeitig zu erkennen.
Perspektivisch könnte das RKI-Panel auch genutzt werden, um beispielsweise in Krisenlagen kurzfristig Einschätzungen und Erfahrungen aus der Bevölkerung zu erfassen. So könnten etwa Informationsbedarfe, Risikowahrnehmungen, Verhaltensänderungen oder Belastungen in unterschiedlichen Krisensituationen zeitnah erhoben werden. Das Panel würde damit bestehende Datenquellen ergänzen und dazu beitragen, Entwicklungen frühzeitig einzuordnen sowie Entscheidungen in akuten Lagen besser vorzubereiten.
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