
16. April 2026, 15:15 Uhr |
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Aktuell begünstigen verschiedene Faktoren steigende Kosten im Flugverkehr. Hierzu zählen geopolitische Krisen, insbesondere im Nahen Osten, die zu erhöhten Kerosinpreisen führen. Gleichzeitig werden als sicher geltende Reiseziele jenseits der Krisengebiete beliebter. Und wo die Nachfrage hoch ist, sind steigende Preise bekanntlich eine logische Konsequenz. Viele Menschen, die ihre Ferien bereits geplant haben, fragen sich nun, ob sie von den Entwicklungen betroffen sein könnten – konkret: ob ihre bereits gebuchten Reisen nachträglich teurer werden. TRAVELBOOK hat darüber mit einem Experten gesprochen.
Ja, Pauschalreisen können nachträglich teurer werden
Es klingt vielleicht „unfair“, ist aber im Reiserecht verankert: Nach deutschem Recht (§§ 651f, 651g BGB) und der EU-Pauschalreiserichtlinie sind nachträgliche Preiserhöhungen unter bestimmten Voraussetzungen zulässig. Das ist etwa dann der Fall, wenn sie durch gestiegene Kosten begründet sind. Wie TRAVELBOOK in diesem Beitrag ausführlicher erklärt, können Reiseveranstalter daher auch bei bereits gebuchten Pauschalreisen einen Aufschlag verlangen, um etwa höhere Treibstoffkosten auszugleichen.
Diese Voraussetzungen sind derzeit in vielen Fällen gegeben. Die angespannte Lage im Nahen Osten treibt die Kerosinpreise in die Höhe. Reisende, die eine Pauschalreise gebucht haben, müssen daher aktuell mit Preiserhöhungen rechnen.
Wichtig zu wissen: Für einzeln gebuchte Flugtickets gilt dies nicht – sie dürfen nach dem Kauf nicht nachträglich teurer werden. Allerdings ist zu beobachten, dass einige Airlines ihr Flugangebot bereits reduzieren. Dadurch kann es infolge der aktuellen Situation zu Flugstreichungen kommen. In solchen Fällen haben Passagiere unter Umständen Anspruch auf Entschädigung.
Wann Sie von teurer gewordenen Reisen zurücktreten dürfen
Die gesetzliche Erhöhungsgrenze für die Preise von Pauschalreisen liegt bei 8 Prozent – und die müssen Reisende leider hinnehmen, sofern sie rechtmäßig zustande gekommen sind und im Vertrag vorgesehen waren. Dies erklärt die Verbraucherzentrale. Wird diese Grenze jedoch überschritten, ist das Recht in der Regel auf Seiten der Reisenden. In diesem Fall muss der Reiseveranstalter den Kunden eine angemessene Frist einräumen, innerhalb derer sie entscheiden können, ob sie den neuen Preis akzeptieren oder kostenfrei vom Vertrag zurücktreten. Alternativ kann der Veranstalter auch eine Ersatzreise anbieten.
Klar ist, dass Reisende rechtzeitig (rund 20 Tage vor der geplanten Reise) über die neuen Umstände informiert werden müssen. Eine unerwartete Preiserhöhung kurz vor dem Urlaub ist also ausgeschlossen. Ganz ohne finanzielle Überraschungen bleibt die Reise dennoch nicht immer. So können vor Ort die Preise durchaus höher ausfallen als gewohnt.
Reiseexperte zur aktuellen (Preis-)Lage
Luftfahrtexperte Cord Schellenberg bestätigt im Gespräch mit TRAVELBOOK, dass sich die aktuelle geopolitische Lage bereits spürbar auf den Reisemarkt auswirkt. Besonders klassische Fernreiseziele könnten in diesem Sommer knapper und damit teurer werden. „Es sieht so aus, als seien nicht alle Warmwasserziele in diesem Sommer verfügbar wie in den Vorjahren“, erklärt er.
Die Folge: Eine steigende Nachfrage konzentriert sich auf weniger verfügbare Ziele – und treibt die Preise weiter nach oben. Auch strukturell sieht der Experte derzeit Verzerrungen im Markt. Durch die eingeschränkte Nutzung wichtiger Drehkreuze im Golfraum sei der Wettbewerb auf vielen Langstrecken geschwächt. „Der Wettbewerb auf den Strecken von Europa nach Asien und Afrika ist gegenwärtig nur eingeschränkt vorhanden“, sagt er. Das wirke sich unmittelbar auf Preise und Verfügbarkeiten aus.

Aufgepasst! Pauschalreise kann nachträglich teurer werden

Diese Rechte haben Flugreisende bei Umstieg in Krisenregionen
Wie wird sich die Situation entwickeln?
Langfristig rechnet Cord Schellenberg mit einer Normalisierung der Lage. Sollte sich die geopolitische Situation entspannen, könnten große Airlines aus der Golfregion ihre Netzwerke wieder vollständig aufnehmen. In diesem Zusammenhang seien auch gezielte Preisaktionen denkbar: „Möglicherweise wird es Promotions geben, um Reisewillige wieder auf die Funktionsfähigkeit der Drehkreuze aufmerksam zu machen.“
Interessant ist auch der Blick auf europäische Airlines. Diese könnten langfristig davon profitieren, dass sie Direktverbindungen ohne Zwischenstopp im Golf anbieten. Allerdings sieht der Experte hier aktuell auch Herausforderungen, etwa durch operative Probleme und Streiks, die das Vertrauen der Reisenden beeinträchtigen könnten.
Tipps für jene, die noch nicht gebucht haben
Reisenden rät der Experte zu einer pragmatischen Vorgehensweise. Statt auf sinkende Preise zu spekulieren, sollten sie konkrete Angebote prüfen und bei passendem Preisniveau eher zeitnah buchen. „Sofern die angebotenen Preise zum eigenen Budget passen, würde ich die Sommerreise buchen“, so seine Einschätzung. Wer hingegen auf eine Entspannung der Lage im Nahen Osten hofft, könne zwar auf spätere Angebote spekulieren – sicher sei das jedoch nicht.
Ref: https://www.travelbook.de/service/gebuchte-reise-teurer











