Ein Nahost-Friedensschluss beruhigte die Märkte, senkte Ölpreise und Inflationssorgen. Dennoch stagnierten die Anleiherenditen; zehnjährige Bundesanleihen lagen bei 2,97 Prozent. Hoher staatlicher Kapitalbedarf und Haushaltsdefizite überwiegen die gesunkenen Inflationsängste und begrenzen weitere Renditerückgänge. Der neue US-Notenbankchef Kevin Warsh ließ die Zinsen unverändert, enttäuschte Zinssenkungshoffnungen und positionierte sich als glaubwürdiger Inflationsbekämpfer ohne kurzfristige Lockerung. Auch die EZB hielt ihre Leitzinsen stabil. Nvidia und SpaceX planen Anleiheemissionen; der Unternehmensanleihemarkt ist generell ruhig, doch Volkswagen- und Nestlé-Anleihen verzeichneten gute Umsätze.
Auf den Nahost-Friedensschluss reagieren Aktien- und Rohstoffmärkte viel stärker als die Anleihemärkte. Die Renditen treten auf der Stelle. Nach einer Mega-Emission von Nvidia will nun auch SpaceX den Anleihemarkt anzapfen.
19. Juni 2026. FRANKFURT (Deutsche Börse). Entspannung an den Märkten wegen des Rahmenabkommens zwischen den USA und Iran: Der Ölpreis ist deutlich gesunken, für ein Barrel Brent liegt er am Freitagmittag unter 80 US-Dollar. Inflations- und Zinserhöhungssorgen haben spürbar nachgelassen.
Der Renditerückgang nach dem Abkommen währte allerdings nur kurz. Unter dem Strich haben sich die Renditen im Wochenvergleich kaum bewegt: Zehnjährige Bundesanleihen werfen aktuell wieder 2,97 Prozent ab. Vor einer Woche waren es 2,98 Prozent. „Die nachlassenden Inflationssorgen stehen dem extrem hohen Kapitalbedarf der Staaten gegenüber“, bemerkt Arthur Brunner, der für die ICF Bank Anleihen handelt.
„Viel zu hohe Haushaltsdefizite“
Die Commerzbank geht nicht davon aus, dass die Renditen über den Tag hinaus noch stark fallen werden. „Kurzfristig mag es weiter bergab gehen, wenn der Nahost-Konflikt schrittweise in den Hintergrund gerät. Aber auf Sicht der kommenden sechs, zwölf Monate ist der Raum für weitere Renditerückgänge beschränkt“, erklärt Chefvolkswirt Jörg Krämer. Auch er meint, dass die Aussicht auf Leitzinssenkungen in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres weitgehend kompensiert werde durch die in den meisten Ländern viel zu hohen Haushaltsdefizite.
„Warsh will glaubwürdiger Inflationsbekämpfer sein“
Die US-Notenbank unter ihrem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh hat am Mittwoch dieser Woche die Leitzinsen unverändert gelassen. „Warsh enttäuscht die Zinssenkungshoffnungen“, bemerkt Tim Oechsner von der Steubing AG. Warsh habe deutlich gemacht, dass kurzfristig keine geldpolitische Lockerung bevorstehe. Er gelte zwar grundsätzlich als offen für die These eines langfristig nachlassenden Inflationsdrucks durch technologische Fortschritte und KI. Seine erste Fed-Sitzung zeige jedoch, dass Warsh als Notenbankchef zunächst vor allem eines sein wolle: ein glaubwürdiger Inflationsbekämpfer. „Damit entfernt er sich zumindest vorerst von den Zinssenkungswünschen Donald Trumps und positioniert sich deutlich näher an der traditionellen Fed-Linie.“ Die EZB hatte in der Woche davor die Leitzinsen ebenfalls nicht verändert.
TPG nach Kursschock erholt
Einiges um geht im Staatsanleihehandel bei der Steubing AG in Anleihen von Italien (IT0005425761) und Spanien (ES0000012C12). Im Handel mit Unternehmensanleihen ist es eher ruhig. „Im Moment will sich kaum jemand positionieren, die Impulse fehlen“, berichtet Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank. Steubing-Händler Oechsner meldet gute Umsätze für Anleihen von Volkswagen mit Laufzeit bis 2027 und aktueller Rendite von 2,29 Prozent (XS2374595044) und Nestlé bis 2029 – in Euro – und 2,70 Prozent (XS1707075328).
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