Stuttgart hosted a unique and memorable farewell for General Music Director Cornelius Meister, described by the reporter as one of music history’s finest. Amidst Mahler symphony performances, the event at the Schauspielhaus featured host Harald Schmidt, who combined his satirical analyses with a „tonal shift“ to guests.
The gathering included Meister, Staatsorchester musicians performing jazz, and former Minister President Winfried Kretschmann. Kretschmann candidly expressed „beschissen“ regret over the failed opera house renovation. Meister captivated the audience, showcasing his characteristic blend of competence, virtuosity, enthusiasm, and self-irony through anecdotes like headstands and musical improvisations. The prolonged applause underscored the audience’s wish for him to have remained in Stuttgart longer.
Viele öffentliche Abschiedsfeiern für Generalmusikdirektoren hat der Berichterstatter noch nicht miterlebt. Aber er ist sich trotzdem sicher, am Freitagabend im Stuttgarter Schauspielhaus eine der fünf schönsten der Musikgeschichte erlebt zu haben. Mitten zwischen drei großen Konzerten mit dem Staatsorchester, mitten zwischen Aufführungen von drei Mahler-Sinfonien hat der scheidende Stuttgarter Generalmusikdirektor Cornelius Meister auch noch mal schnell bei Harald Schmidt vorbeigeschaut.
Bei Schmidt geht erst mal alles nach Plan
Oder war es doch anders herum? Harald Schmidt hat Cornelius Meister empfangen? Die „Spielzeitanalysen“ des Ewig-Spötters sind ja längst fester und stets ausverkaufter Bestandteil des Schauspiel-Spielplans, mit einem über die Jahre tief eingeschworenen Harald-Schmidt-Fankreis. Aber erstens war man diesmal doch durchmischt mit Opern- und Konzertfreunden, und zweitens schaffte es Schmidt virtuos, beide Zielgruppen zufrieden zu stellen. In der ersten halben Stunde gab es die gewohnte Tour d’Horizon durch die Nachrichtenlage („Früher hieß es immer: Ich mach was mit Medien. Inzwischen heißt es: Ich mach was mit Faschismus.“) Und ab acht war dann Tonartwechsel nebst Gästen.
Auf der Bühne versammelten sich nach und nach um den Harald-Schmidt-Tisch: eben Cornelius Meister, sodann eine stattliche Anzahl von Musikern des Staatsorchesters, die nach dem Job miteinander Jazz spielen (wobei einige gar keine professionellen Musiker sind, sondern zum Beispiel Orchesterwart), und on top ein unglaublich sommerlich-entspannt wirkender Winfried Kretschmann, der bis vor kurzem Ministerpräsident war, inzwischen aber laut eigenen Worten „nur noch einfacher Bürger“ ist.
Der Alt-Ministerpräsident sagt „beschissen“
Was Harald Schmidt dann aus dieser Versammlung herauskitzelte, war ganz sicher unterhaltsamer als die meisten Vorrundenspiele der Fußball-WM: Die Quasi-Big Band des Staatsorchesters unter Leitung von Uli Röser lieferte in großer Besetzung einen hinreißenden Jazz-Standard nach dem anderen. Kretschmann wiederum berichtete, dass er inzwischen zwar nicht mehr unter amtsbedingtem Schlafdefizit leide, aber dafür an Schlafrhythmus-Störungen („Ich bin um vier Uhr einfach wach“). Und er gestand ein, „beschämt“ zu sein, „dass wir die Opernhaus-Sanierung nicht geschafft haben. Wir haben den dafür günstigen Zeitpunkt einfach verpasst“. Und dann macht er eine kurze Pause und sagt einen Satz, der doch endlich-endlich-endlich mal aus mit-verantwortlichem Kreise zu hören sein musste: „Das ist beschissen“. Betont hat der Bürger Kretschmann dabei das „…schissen“.
Albereien mit den Tänzerinnen
Und dann Cornelius Meister! Man sieht ihn auf privaten Videos Kopfstand und Klimmzüge machen, erlebt ihn bei Albereien mit „Fledermaus“-Tänzerinnen und klatscht auf Kommando rhythmisch zu seinen Klavier-Variationen über die „Tannhäuser“-Ouvertüre – erlebt ihn einfach in diesem typischen Meister-Mix aus Kompetenz, Virtuosität, Begeisterungsfähigkeit, Stilsicherheit, Respekt vor dem Können anderer und der Fähigkeit zur Selbstironie.
Und denkt schlussendlich: Mag sein, dass sein Abschied für ihn selbst oder für andere im Haus gerade zum rechten Zeitpunkt kommt. Das Publikum hätte ihn jedenfalls gern noch eine Weile in Stuttgart gehabt. Letzterem bleibt so nur schwer enden wollender Applaus.
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