Globale Fragmentierung und Geopolitik verleihen einem künftigen EU-Golf-Kooperationsrat (GCC)-Freihandelsabkommen (FTA) neue strategische Bedeutung. Die GCC-Staaten diversifizieren sich, was das EU-Interesse nach der Ukraine-Invasion stärkte. Jüngste Nahost-Konflikte gefährden jedoch Handelsströme (Hormus) und regionale Sicherheit.
Dieser Bericht plädiert für eine Vertiefung der EU-GCC-Wirtschaftspartnerschaft. Eine EFTA-GCC-FTA-Fallstudie zeigt, dass die EU Marktanteile verlor, da EFTA-Exporte 45% stärker wuchsen. Ein umfassendes, zukunftsorientiertes FTA mit regulatorischer Harmonisierung, Investitionsförderung und nachhaltiger Energiekooperation ist entscheidend, um das volle strategische Potenzial zu nutzen, über rein zollbasierte Abkommen hinaus.
Insbesondere aufgrund der Politik von US-Präsident Donald Trump haben die zunehmende globale wirtschaftliche Fragmentierung und die geopolitischen Unruhen dem künftigen Freihandelsabkommen (FTA) zwischen der Europäischen Union (EU) und dem Golf-Kooperationsrat (GCC) erneut strategische Bedeutung verliehen.
Die sechs GCC-Mitgliedstaaten – Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Katar, Oman, Bahrain und Kuwait – legen zunehmend Wert auf regionale und internationale Konnektivität sowie den Ausbau erneuerbarer Energien, um alternative Geschäftsmodelle über den Export fossiler Brennstoffe hinaus zu entwickeln.
Nach dem Ausbruch der russischen Invasion in der Ukraine gewann das Potenzial der Golfstaaten als verlässliche und energiereiche Stabilitätsanker in der unmittelbaren Nachbarschaft Europas an Bedeutung, was zu einem stärkeren Engagement Berlins und Brüssels in der Golfregion führte. Der jüngste Krieg zwischen den USA und Israel mit dem Iran stellt jedoch einen Stresstest für die wichtigsten wirtschaftlichen Säulen der Partnerschaft zwischen Europa und den Golfstaaten dar: Die Handelsströme durch die Straße von Hormus, dem wichtigsten Seetor zur Arabischen Halbinsel, wurden unterbrochen, während iranische Angriffe auf zivile Ziele das Image des Golf-Kooperationsrates als sicherer Hafen für internationale Geschäfts- und Finanzströme in Frage gestellt haben.
Dennoch plädiert dieser Bericht für eine Vertiefung der Wirtschaftspartnerschaft zwischen der EU und dem Golf-Kooperationsrat. Gerade im heutigen volatilen geopolitischen Umfeld würde ein umfassendes Freihandelsabkommen mit regulatorischer Harmonisierung, gezielter Investitionsförderung und enger Zusammenarbeit bei nachhaltiger Energie und industrieller Entwicklung erhebliche Vorteile für die EU bieten. Anhand des bestehenden Freihandelsabkommens der Golfstaaten mit den Ländern der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA) – Norwegen, Schweiz, Island und Liechtenstein – als Fallstudie zeigt dieses Papier, dass die EU Marktanteile an Wettbewerber verloren hat, die von Handelsabkommen profitieren. Die EFTA-Exporte in den Golf-Kooperationsrat (GCC) stiegen nach Abschluss des Abkommens um rund 45 Prozent stärker als die EU-Exporte. Auch auf der Importseite weisen die EFTA-Staaten deutlich stärkere Integrationsraten in die Golfregion auf.
Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Abkommen den EFTA-Staaten nicht nur ein stärkeres Exportwachstum ermöglichte, sondern auch die Importexpansion insbesondere in ressourcen- und vorleistungsgüterintensiven Sektoren stimulierte. Gleichzeitig zeigen die Auswirkungen des EFTA-Freihandelsabkommens, dass ein rein zollorientiertes Abkommen für Brüssel nur begrenzte wirtschaftliche Vorteile bringen würde. Nur ein zukunftsweisender Rahmen, der über traditionelle Handelsfragen hinausgeht, kann das volle strategische Potenzial der Partnerschaft in einem zunehmend geopolitisch aufgeladenen Umfeld freisetzen.
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