Germany’s renewable energy sector hit record employment last year with 436,000 jobs, up 4%. Wind energy is now the largest employer. However, this growth is threatened by the current government’s changing energy policies, warns a Bertelsmann Stiftung study. Past experiences in solar and wind power demonstrate how policy shifts and funding cuts led to significant job losses. Recent political debates surrounding heat pumps similarly disrupted market confidence and employment. Experts urge stable policy frameworks, planning certainty for private investments, and fostering domestic production to secure these vital jobs and greater independence, cautioning against repeating past errors.
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Uns auf Google folgenGrößter Arbeitgeber im Bereich der Erneuerbaren ist inzwischen die Windenergie. © IMAGO/Westend61
Im Bereich der Erneuerbaren arbeiten in Deutschland so viele Menschen wie noch nie. Doch der politische Kurs droht genau dort Arbeitsplätze zu vernichten.
Die Konjunktur lahmt, und die Bundesregierung sucht händeringend nach einem Turbo für Wachstum und Jobs. Neue Zahlen zeigen hier: Die Energiewende hat sich trotz der ökonomischen Flaute zu einem wichtigen Jobmotor entwickelt. Im vorigen Jahr arbeiteten in Deutschland rund 436.000 Menschen im Bereich der erneuerbaren Energien – so viele wie noch nie.
Gegenüber 2023, dem bisherigen Spitzenjahr, entspricht das einem Zuwachs von knapp vier Prozent. Das geht aus neuen Berechnungen der Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung (GWS) im Auftrag der Bertelsmann Stiftung hervor. Die Autoren warnen allerdings, dass der von der Bundesregierung eingeleitete energiepolitische Kurswechsel den Beschäftigungsaufschwung wieder abwürgen könnte.
Größter Arbeitgeber ist inzwischen die Windenergie. Die Zahl der dort Beschäftigten stieg zwischen 2023 und 2025 um rund 30 Prozent auf 172.000. Damit entfällt deutlich mehr als jeder dritte Arbeitsplatz der Branche auf Windräder an Land und auf See, also Herstellung, Zulieferung, Projektierung sowie Betrieb und Wartung. Es folgen die Bioenergie mit etwa 97.000 und die Solarenergie mit knapp 90.000 Beschäftigten. Auf Herstellung und Installation von Wärmepumpen entfallen gut 72.000 Stellen.
Gezählt wurde dabei die sogenannte Bruttobeschäftigung. Sie umfasst direkte Stellen und indirekte Jobs in vorgelagerten Lieferketten. In die Modellrechnung fließen Investitionen, Exporte, Betrieb und Wartung ein. Die Werte sind deshalb höher als in enger abgegrenzten Statistiken. Das Umweltbundesamt weist für 2023 beispielsweise rund 276.000 Beschäftigte in den Bereichen erneuerbare Energien, intelligente Energiesysteme und Netze sowie Elektrifizierung der Industrie aus.
Unmittelbare Folgen auf den Arbeitsmarkt
Die Statistik zeigt, wie unmittelbar politische Rahmenbedingungen auf den Arbeitsmarkt durchschlagen. Als die Investitionen aufgrund der Förderung durch das von der rot-grünen Bundesregierung eingeführte Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) 2010 und 2011 auf fast 28 Milliarden Euro jährlich stiegen, kletterte die Beschäftigung auf einen ersten Höchststand von rund 415.000. Nach radikalen Förderkürzungen durch die Regierung von Union und FDP sowie sinkenden Investitionen ging es stark bergab. Im Jahr 2025 erreichten die Investitionen aufgrund der Gesetzespakete der Ampel-Regierung mit 37,5 Milliarden Euro einen neuen Rekord – und parallel stieg auch die Zahl der Stellen. „Die Beschäftigung wächst dort, wo durch Planungssicherheit private Investitionen in den Ausbau der erneuerbaren Energien fließen“, sagt Bertelsmann-Arbeitsmarktexpertin Jana Fingerhut.
Besonders drastisch war der Absturz vor rund 15 Jahren in der Solarindustrie. Zwischen 2011 und 2013 halbierte sich die Beschäftigtenzahl von 156.700 auf 70.200, bis 2017 sank sie auf nur noch 39.900. Auslöser waren die Kürzung der Solarförderung, ein zeitweise einbrechender deutscher Markt und die Verlagerung der Modulproduktion nach Asien. Heute werden hierzulande wieder viele Anlagen installiert. 2025 kamen nach Branchendaten rund 17,7 Gigawatt Photovoltaikleistung hinzu. Da die Module überwiegend importiert werden, vor allem aus China, ging die Beschäftigung im Solarsektor dennoch zurück.
Auch die Windbranche kennt politische Bremsspuren. Nach der Umstellung auf Ausschreibungen und einer Begrenzung des jährlichen Zubaus sank die Beschäftigung von 167.700 im Jahr 2016 auf 130.500 zwei Jahre später. Inzwischen bringen höhere Ausbauzahlen und mehr Genehmigungen wieder Auftrieb. Bereits 2023 waren nach Angaben des Bundesverbands Windenergie rund 124.600 Menschen bei der Windkraft an Land und auf See beschäftigt.
Auf und ab durch politische Debatten
Wie nervös Märkte auf politische Debatten reagieren, zeigt der Absatz Wärmepumpe als effizientestes Heizungssystem. Nach mehr als 350.000 neu installierten Geräten 2023 brach der Verkauf im folgenden Jahr auf etwa 200.000 ein. Die monatelange Auseinandersetzung über das Heizungsgesetz der Ampel, von Medien und Opposition mit harten Bandagen geführt, hatte viele Hauseigentümer:innen verunsichert. 2025 erholte sich der Markt auf knapp 300.000 Geräte. Parallel fiel die Beschäftigung zunächst um 28 Prozent auf 51.300 und stieg danach wieder auf mehr als 72.000. Die Bundesregierung will das geltende Gebäudeenergiegesetz nun durch ein Gebäudemodernisierungsgesetz ersetzen, das Erdgas- und Ölheizungen wieder Auftrieb bringen dürfte.
Ob es künftige weitere Rekorde bei den Erneuerbaren-Jobs geben wird, ist fraglich. Denn die Bundesregierung novelliert nicht nur das Heizungsgesetz, auch das EEG wird umgebaut. Hierdurch droht der Zubau von Öko-Energien einzubrechen. Hinzu kommt ein neues Strom-Versorgungssicherheits- und Kapazitätengesetz, mit dem Berlin Dunkelflauten bei Wind und Solar ausgleichen will. Umwelt- und Branchenverbände kritisieren, die Pläne begünstigten neue Gaskraftwerke und könnten Investitionen in Stromspeicher schwächen.
Auch geplante Änderungen beim Netzanschluss bergen Risiken. Werden Regionen mit knappen Netzkapazitäten ausgewiesen und neue Ökostromanlagen dort bei Abregelungen nicht mehr vollständig entschädigt, droht, dass Projekte für Investoren unkalkulierbar werden. Umgekehrt sind Reformen nötig, weil lange Wartezeiten und fehlende Netzkapazitäten den Ausbau bereits heute bremsen. Entscheidend wird sein, ob die Neuregelung Investitionen erleichtert oder neue Unsicherheit schafft.
Vergangene Fehler nicht wiederholen
Die Bertelsmann-Fachleute leiten aus den Erfahrungen der vergangenen 15 Jahre eine klare Warnung ab. Fallen Förderbedingungen abrupt weg, werden Netzanschlüsse unkalkulierbar oder ändern sich Vorgaben für klimafreundliche Heizungen erneut, können Investitionen und Arbeitsplätze verschwinden. Zudem reicht ein hoher Ausbau von Kapazitäten alleine nicht, wenn Anlagen und Schlüsselkomponenten fast vollständig importiert werden.
Nötig seien heimische Produktionskapazitäten etwa für Windturbinen, Wärmepumpen und Wechselrichter – nicht nur für Arbeitsplätze, sondern auch für eine größere Unabhängigkeit von Importen. „In Zeiten wirtschaftlicher Krise, in denen wir um jeden Job kämpfen, sollten wir die Fehler aus der Vergangenheit nicht wiederholen“, sagt Bertelsmann-Arbeitsmarktexperte Roman Wink.
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