German director Susanne and Korean Jeong Rae’s binational marriage faced immense challenges. Jeong Rae’s frequent work absences and move to South Korea to open a restaurant during the pandemic strained their Leipzig family. Susanne proposed making a film about their marriage or getting a divorce.
Her deeply personal documentary explores intercultural relations, communication, absence, and long-distance love. Featuring their angry daughter and extended families, it tackles culture clash, women’s burdens, Jeong Rae’s past trauma, and the racism he experienced. Despite profound difficulties and emotional distance, the film ultimately reveals that love and acceptance of unchangeable differences can still bind them.
Von der Liebe kann man nicht leben, und ohne Liebe geht es auch nicht. Doch ist Liebe allein genug in einer Beziehung? Die Deutsche Susanne und der Koreaner Jeong Rae lernten sich in Damaskus beim Falafelessen kennen. Ein Kind und anderthalb Jahre später heirateten sie. Im Überschwang der Gefühle wollten sie nicht wahrhaben, was es bedeutet, als binationale Familie zusammenzuleben.
Denn was danach kam, hatte zumindest Susanne Kim so nicht vorhergesehen: Ihr Mann war die Hälfte der Zeit nicht zu Hause bei ihr in Leipzig. Er versuchte sich in allerhand Berufen, wollte Patente erfinden, arbeitete in Nigeria oder Saudi-Arabien, aber selten in Deutschland. Als die Corona-Pandemie über die Welt hereinbrach, machte er sich auf in seine Heimat. Das Vorhaben, dort mit einem Freund ein Restaurant zu betreiben, scheiterte bald. Die Corona-Pandemie hielt an, doch er kehrte nicht zu seiner Familie zurück, sondern zog zu seiner Mutter in die südkoreanische Stadt Wonju. Dort eröffnete er einen Grillhähnchen-Imbiss.
Ein Film über die Ehe – oder die Scheidung
Susanne Kim stellt Jeong Rae – halb im Spaß, halb im Ernst – vor die Entscheidung: Entweder sie drehe einen Film über ihre Ehe oder sie lasse sich scheiden. Der Film wurde gedreht; das Resultat ist eine intensive, mitunter spielerische Reflexion über interkulturelle Beziehungen, Culture Clash, Familie, Kommunikation, Abwesenheit und eine langjährige Fernbeziehung.
Kim fungiert in ihrem bis dato persönlichsten Film als Regisseurin und Protagonistin zugleich; sie ist sowohl hinter als auch vor der Kamera aktiv. Sie filmt auch ihre Eltern in Dresden und ihre Tochter Hannah. Die Tochter ist wütend auf ihren Vater. Man sei keine Familie, wenn einer ständig abwesend ist, sagt sie. Womöglich spricht sie deshalb auch kein Koreanisch. In binationalen Ehen sprächen die Kinder die Sprache der Mutter, kommentiert Kims lebensweise koreanische Schwiegermutter Sun Ja, die verbal weder mit Kim noch mit ihrer Enkelin kommunizieren kann. Verständnis bringt man im Film trotzdem für sie auf.
Die Perspektive erweitert sich durch das Pendeln der Filmemacherin zwischen Leipzig und Wonju. In Südkorea ist sie die Fremde. Sie solle seiner Mutter nicht immer Fragen aus ihrer kulturellen Perspektive stellen, mahnt der Ehemann seine deutsche Frau. Am liebsten will die Regisseurin eine internationale Frauenbewegung ins Leben rufen, da sie sowohl an ihrer Familienkonstellation als auch an der von den Kims merkt, wie viel Frauen erdulden müssen. Sun Ja arbeitet unermüdlich, beschwert sich aber nie und findet, dass Frauen ihren Ärger über Männer hinunterschlucken müssen. Das fällt der Filmemacherin Susanne Kim jedoch schwer. An ihr blieben Haushalt und Erziehung hängen, während sie gleichzeitig versuche, ihrem Beruf als Regisseurin nachzugehen.
Die Familiensituation wird immer vertrackter
Doch als die Familiensituation immer vertrackter wird, bringt man auch Verständnis für ihren scheinbar unentschlossenen Ehemann auf. Traumata in der Kindheit haben es ihm schwer gemacht, über seine Gefühle zu sprechen. Außerdem ist der bis heute kaum Deutsch sprechende Jeong Rae in Leipzig allen Spielarten von Rassismus ausgesetzt – auch ein Grund für ihn, so oft das Weite zu suchen.
Susanne Kim spürt den Verletzungen innerhalb seiner Familie nach. Anhand von Home-Videos, Fotos und Collagen versucht sie, Puzzleteile zu einer übergreifenden Erklärung zusammenzufügen. Dabei stellt sie fest: Die Sprachlosigkeit ist nicht nur eine interkulturelle, sondern auch eine emotionale. Liebe zwischen ihr und ihrem Ehemann ist durchaus noch vorhanden. Doch zuweilen befremdet es doch, dass Jeong Rae nicht mal das genaue Alter seiner nur Deutsch sprechenden Tochter kennt und mit ihr auf Englisch kommuniziert. Auch die Eltern von Susanne Kim machen sich Sorgen und teilen vor der Kamera ihre Skepsis über ihre familiäre Situation.
Die Regisseurin bemüht sich, die Stagnation nicht nur durch das Filmen aufzubrechen. Sie sucht auch die spielerische Verfremdung. Dann inszeniert sie sich selbst in lustigen Posen oder verkleidet sich – vor allem als Huhn, in Anspielung auf das Grillhühnchen-Geschäft ihres Mannes. Da ihr Mann sie im Tierbereich aber eher den Flusspferden zuordnet, erhält auch dieses Tier Leinwandzeit und sorgt für Erheiterung.
Man kann den Charakter nicht ändern
So darf man es durchaus als Kunststück bezeichnen, dass dieser zutiefst persönliche Film weder deprimierend wirkt noch die Zuschauer zu Voyeuren macht. Zuweilen beschwert sich Jeong Rae zu Recht, dass seine Frau zuviel filme, etwa beim Essen. Auch versucht der als Übersetzer zwischen den einzelnen Familienmitgliedern fungierende Allrounder immer wieder, seine Mutter so gut es geht zu beschützen. Doch eine Abrechnung oder Zerfleischung findet trotz aller vor der Kamera ausgetragenen Diskussionen nicht statt. Kim findet immer wieder Einstellungen, die ihrem im Kern ernsten Sujet eine leichte Wendung geben. Am Ende haben die beteiligten Ehepartner durchaus neue Erkenntnisse gewonnen. Dass man den Charakter von Menschen nicht ändern kann, wissen alle Beteiligten. Das gilt auch für die sehr unterschiedliche Sozialisation und kulturelle Prägung des Paars. Ein Kitt, der beides zusammenhält, ist trotz alledem und glücklicherweise – die Liebe.
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